Philosophie

 

Eine globalisierte, eine wirtschaftlich, technologisch und menschlich vernetzte Welt wie derzeit, wie sie die Menschheit noch nie erlebt hat – mit sieben Milliarden, und international wachsenden Problemen – fordert Antworten, stellt uns, insbesondere die Politik, vor vielfältige Herausforderungen, verlangt anderes Denken und Handeln, eben, ein anderes Verhalten.

Täglich werden wir mit einer Vielzahl politischer, wirtschaftlicher, menschlicher Auseinandersetzungen konfrontiert, mit Ungerechtigkeiten, Kriminalität und Egoismen, vielfachem menschlichen Leid und Chaos. Die Risiken unserer Zeit, aus Wachstum und Klima, bereits mit begrenzten Ressourcen, bewirken dramatische Einkommensunterschieden, begleitet von einer Unzahl ethnischer, sozialer, religiöser Auseinandersetzungen – und überfordert offensichtlich alle, besonders die Politik. Mündet in die Überschuldung der Staaten, aus ständig neuen Anforderungen; und das bei starren, aufgeblähten Bürokratien. Die Regierungen sind verfangen im Tagesgeschehen, unfähig sich perspektivisch auszurichten, in einem konstruktiven Miteinander, auf gleicher Augenhöhe, eben, auf ethischem Fundament, die Gestaltung eines „menschlichen“, eines prosperierenden Europas einzuleiten und konsequent weiterzuentwickeln (sehen wir nur die weltweiten Einkommens-(Macht-)Verschiebungen – zu unseren Lasten).

War doch seit gut einem halben Jahrtausend Europa  kultureller, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Motor. Langsam aber sicher, verlieren wir die Vorteile (etwas Egozentrik  ist für Europa doch angebracht?). Zwar genießen wir noch Wohlstand, allerdings dank Vorleistungen unserer Väter, dank eines noch gesunden Rechtsstaates, bei durchaus noch hoher Bildung und sozialem Ausgleich; der allerdings, ist zunehmend gefährdet. Wachsende Diskrepanzen, ungelöste wirtschaftliche und soziale Probleme, bei unsicherer Wirtschaftsperspektive, vielen ungelösten Fragen, wie die der neuen Völkerwanderungen, der Klimaveränderung und vieler anderer, belasten die Bevölkerung – in unseren gereiften, aber bereits anfälligen Demokratien. Ob wir die erarbeiteten, besser, die ererbten Vorteile aufrechterhalten können? Scheint zunehmend fraglich! Europa stagniert, lebt sich auseinander. Andere Kontinente und Länder holen massiv auf. Zwangsläufig nicht mit ausgleichendem Nutzen für die europäische Bevölkerung; ganz zu schweigen, unsere Nachkommen.

Eine Vielzahl unterschiedlichster Wirtschaftsräume, mit unterschiedlichster kultureller und ökonomischer Entwicklung prallen aufeinander, werden das 21. Jahrhundert prägen – mit vielen Reibungsflächen, mit Krisen und Revolutionen, mit Kriegen und Auflösung nationaler Einheiten, mit Völkerwanderungen, und sicher, im Kampf um die letzten Ressourcen im Zuge des Klimawandels. Alles beschleunigt sich dank technologischer Entwicklung, bei unbegrenzt kommunikativer Vernetzung, exponentiell multipliziert über hektische Verlagerungen wirtschaftlicher Prozesse, mit Einfluss auf jeden – bei rasanter Durchdringung des ganzen Lebens, der Umwelt, Begrenzung der Freiheiten, unserer Individualitäten; und, mit ökonomischen Verwerfungen und wachsender Unsicherheit. Und doch, negiert von den Politiken weltweit! Egal ob Demokratie, Quasi-Demokratie oder Diktatur!

Veränderungen, die auch Anpassung des Einzelnen erfordern – die er noch gar nicht abschätzen kann. Es verlangt eine den Wandel positiv und professionell begleitende Politik. Und zwar gegen diese lähmenden Anpassungen an gerade opportun gesellschaftliche Trends, getragen von egoistischem Verhalten. Es verlangt unbequeme Korrekturen, erzwingt überregionale Konsensfindungen, Lösungen der vielen, seit Jahrzehnten aufgeschobenen Probleme; eben, angepasst an eine völlig veränderte Welt. Nicht Reaktion auf Veränderungen, sondern Aktion – aktive Gestaltung, mit langfristiger Perspektive –, mit positiven Beiträgen zu einer unumkehrbar globalen Welt. Egoistischer Weise nach europäischen (!) Gedankengut.

Nichts dergleichen zeichnet sich im politischen Leben ab – weder in den Nationen, noch nach Gesellschaftsstrukturen. Wir erwarten Vorbilder! Neugestaltung gesellschaftlich wie politischen Lebens, auf europäisch-ethischen, über Jahrhunderte entwickelten Fundamenten.

Die sich über Generationen geformten sozialen Strukturen bleiben nur dann natürliche und gesunde Einheiten – kulturell, sozial wie wirtschaftlich –, wenn sich Menschen frei entfalten können; und zwar nach gemeinsamen, nach über Jahrhunderte (lokal) gereiften ethischen Werten. Also, mit jeweils hoher Subsidiarität in einem föderalen Europa. In einem Europa, dass in der Welt nur dann eine stabile und eigenständige Rolle spielen, ihren Bürgern Sicherheit bieten kann, wenn es wirtschaftlich stark ist – trotz und mit all unseren sozialen Errungenschaften; und das, bei „gefühlt“ echtem demokratischen Verhalten (von dem wir uns schleichend bereits entfernt haben). Die Vielzahl der europäischen Völker, mit ihren Werten, ihren unterschiedlichsten Ressourcen und Einstellungen, waren und bleiben die Potenziale Europas, haben es geprägt, und sind weiterhin fundamental für eine positive Entwicklung.

Aus dieser Überzeugung leiten sich für die europäischen Nationen, eben, nur im Verbund eines föderalen Europa, eine Vielzahl von Grundsätzen ab. Sie verlangen aber auch persönliches Engagement, teils unter Hintanstellung individueller Interessen, dazu Aufgeschlossenheit, Reife, professionelle Diskursfähigkeit – und, im Sinne der Gemeinsamkeit – auf Basis europäisch-ethischem Denken.